"Alles, was lediglich wahrscheinlich ist, ist wahrscheinlich falsch." (Descartes).
Der Mensch sucht nach Erklärung seiner Welt. Früher dienten dazu Mythen, Autoritäten und Geister. In unsere aufgeklärten Welt geht es nüchterner zu. Im Alltag wird meist nach Gefühl und Intuition vorgegangen. Aus bekannten Gegebenheiten wird eine Analogie zum Unbekannten versucht. Man spricht auch vom "praktischen Menschenverstand".
Kluge Menschen sind damit sehr erfolgreich. Und das macht blind für die Fragen, bei denen dieses Vorgehen versagt. Hierbei brauchen wir die wissenschaftliche Methode. In den exakten Wissenschaften wird der eigenen Annahme misstraut, und selbstkritisch die Natur befragt. Die uns umgebenene Wirklichkeit hat immer das letzte Wort.
Selbstkritik ist eine enorme persönliche Leistung. Wie schnell hat man sich in seine eigenen Ansichten so verliebt, dass man sie für die Wahrheit hält. Und mit Zähnen und Klauen verteidigt!
Auch das Befragen der Natur ist oft nicht leicht. Die geeignete Methode stellt sicher, dass der beobachtete Effekt auf die vermutete Ursache zurückgeht. Und nicht auf andere Einflüsse, wie z.B. Zufall, Vorannahmen des Experimentators oder andere, aber gleichzeitige Ereignisse. Diese Einflüsse sind meist sehr gross. Die korrekte Methode und die kritische Einstellung des Experimentators sind dann entscheidend für die Ergebnisse.
Unsere Helmfrage ist ein Musterbeispiel dafür. Die offenkundliche Nützlichkeit scheint eine Untersuchung durch richtige Wissenschaftler zu erübrigen. Als dann noch eine bestärkende medizinische Studie [13] kam, war die Sache für die autoritätshörige Ärzteschaft entschieden. Seither wird von den Medizinern nur noch fortgeschrieben [18]. Nur wenigen ist aufgefallen, dass diese Studie so angelegt war, dass sie das scheinbar offenkundige und gewünschte Ergebnis bewusst produzierte.
Die Wissenschaftler, die sich danach der Frage annahmen, müssen gegen eine hermetisch abgedichtete öffentliche Wahrnehmung ankämpfen. Ergebnisse, die nicht ins Weltbild passen, haben es schwer, egal, wie wahr sie sind. Um den Fehler zu erkennen, ist nicht nur Selbstkritik und fundierte Methodenkenntnis erforderlich, sondern auch die Energie für eine genaue Prüfung. Wie viel leichter ist es, einfach zu glauben, was die Autoritäten behaupten.
Nicht von der Bedeutung, aber von der Situation vergleichbar mit der Astronomie im 17. Jahrhundert. Heute weiss jedes Kind, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Obwohl dies der offensichtlichen Anschauung aufs schärfste widerspricht. Wir glauben hier den Autoritäten, die diesmal Wissenschaftler sind, die mit hohem Aufwand die Natur befragt haben. Ganz viel Mathematik ist hierzu vonnöten. Dagegen nimmt sich das bischen Statistik für die Helmfrage sehr bescheiden aus. Daher bin ich optimistisch, dass es diesmal nicht Jahrhunderte dauert, bis sich eine wissenschaftlich fundierte Anschauung durchsetzt.